Dienstag, 9. Oktober 2012

Buchkritik: Mechthild Borrmann, Der Geiger

Eine Stradivari gibt tödliche Rätsel auf


Mechthild Borrmann glänzt mit ihrem Kriminalroman "Der Geiger" auf hohem litarischen Niveau

Eine Stradivari ist ein sehr wertvolles Strreichinstrument.
Einige Millionen sind gut erhaltene, historische Violinen
meist wert. Um den Diebstahl einer Stradivari, die der
Geiger Stanislaw Sergejewitsch Grenko 1862 von Zar
Alexander II geschenkt bekommen hat, geht es in dem
Roman von Mechthild Borrmann. In einer Retrospektive
schiebt die freischaffende Schriftstellerin historische
und aktuelle Handlungsstränge nebeneinander. Sie
versteht es in einer eigenen literarischen Sprache
Spannung und vor allem Bilder zu erzeugen. Vordergründig
spielt die Musik keine große Rolle, dafür umso mehr
die Gefangenschaft in Russland, seltsame Ermordungen
und Autounfälle in der Familie Grenko. Den Mief in
den heruntergekommenen Absteigen vermag der Leser
förmlich zu riechen, wenn die Autorin das Ambiente
beschreibt. Auch die unterschwellige Angst des
einzig Überlebenden der Familie Grenko namens Sascha,
der in Deutschland lebt, wird auf seiner Reise nach
Moskau spürbar. Er will das Geheimnis um die
verschollene Stradivari lüften. Doch auch er steht
auf einmal unter Mordverdacht an seiner Schwester Vika.
Zumindest soll er angeblich mitbeteiligt gewesen sein.
Der Roman der preisgekrönten Schriftstellerin Mechthild
Borrmann ist keiner, den man wie einen billigen Burger
hinunterschlingt. Er ist eher wie ein guter, dunkelroter
Wein, von dem jeder Tropfen im Munde zergeht.
(c) Corinna S. Heyn

Mechthild Borrmann,
Der Geiger.
Droemer 2012.
Preis: 19,90 Euro

Donnerstag, 26. April 2012



Ein gepflegter englischer Krimi

Ann Granger schrieb elegant und spannend "Mord hat keine Tränen"

Der alte Monty Bickerstaff lebt auf einem alten,
heruntergekommenen Anwesen in England. Seine Frau
Penny hielt ihn wegen seiner Trunksucht nicht mehr
aus und verließ ihn. So fristet der Alte ein tristes
Dasein umgeben vom Chaos, bis in seinem stets offen
stehenden Haus ein Toter aufgefunden wird. In
Bickerstaffs Wohnzimmer liegt ein elegant gekleideter,
unbekannter Toter. Bickerstaff kannte ihn nicht. Die
Recherchen von Inspector Jessica Campbell führen zu
einem mysteriösen Ghostwriter von Star-Biographien
namens Jay Taylor. Weitere Ermittlungen ergeben, dass
in dem Balaclava House ein Zimmer in dem oberen Stockwerk
von jemandem benutzt und anschließend fein säuberlich
geputzt wurde. Auch der Lexus des Toten wird an einer
Felsklippe aufgefunden. Dieser Roman der Bestseller-
Autorin Ann Granger besticht durch fein gesponnene
Dialoge, eine behutsame Langsamkeit der Schilderungen
und eine Liebenswürdigkeit gegenüber allen ihren Figuren.
Ann Granger war im diplomatischen Dienst tätig, bevor
sie Krimis um Mitchel und Marby, Fran Varady, Lizzie
Martin und Benjamin Ross sowie Jessica Campbell ersann.
Der Krimi ist fast vornehm geschrieben, er kommt ohne
wilde Verfolgungsjagden und pausenlose Morde aus. Er
lebt von skurrilen Personen und verborgenen Motiven.
Es gibt weder zertückelte noch geschändete Leichen,
sondern eine gepflegte Spannung. Diese erreicht Ann
Granger durch die Undurchsichtigkeit aller Spuren,
auf die sich zunächst keinen Reim bilden lässt. Erst
gegen Ende es Romans naht ein einfacher wie ebenso
überraschender Plot. Ein Muss für alle Fans des
britischen Humors und des Genres.
(c) Corinna S. Heyn


Ann Granger,
Mord hat keine Tränen.
Ein Fall für Jessica Campbell.
Aus dem Englischen von Axel Merz.
Bastei Lübbe Verlag 2011.
Preis: 8,99 Euro
www.luebbe.de